Die Schule führt die idealerweise im Kinderhaus begonnene Montessori-Pädagogik mit den nun 6–12-jährigen Kindern weiter. Wir wollen das ein wenig beschreiben:

 

Auszug aus der Montessori Pädagogik

Die freie Wahl im Kinderhaus und in der Schule

In ihrem Spätwerk „Das kreative Kind“ (2007, Seite 228) schreibt Dr. Maria Montessori von einer Besucherin, die ein Kind fragte:
„Hier könnt ihr also tun, was ihr wollt, nicht wahr?“ Und das Kind antwortete: „Nein, wir tun nicht das, was wir wollen, sondern wir wollen das, was wir tun.“

In der vorbereiteten Umgebung des Kinderhauses und der Schule steht eine grosse Auswahl an Aktivitäten zur Verfügung. In Freiheit zu arbeiten unterstützt die Entwicklung des jungen Menschen. Mit dem Gebrauch der Freiheit entwickelt sich auch die Verantwortung. Freiheit und Verantwortung sind die beiden Seiten einer Münze.

 

Freie Platzwahl

Die Kinder bekommen die freie Wahl den Platz zu bestimmen, wo sie im Raum arbeiten wollen; auf dem Teppich oder an einem selbstgewählten Tisch oder auch ausserhalb des Zimmers.

 

Gruppenarbeit

Die Kinder bekommen die freie Wahl, mit wem sie arbeiten möchten. Im Kinderhaus beobachten wir viel Einzelarbeit. Die Kinder sitzen am selben Tisch, haben aber verschiedene Arbeiten vor sich. In der Schule bilden Kinder ständig neue Gruppen und arbeiten an einem Thema. Sie organisieren sich und verteilen die verschiedenen Aufgaben innerhalb der Gruppe.

 

Materialwahl

Die Kinder bekommen die freie Wahl, an welchem Thema sie arbeiten möchten. Sie interessieren sich für ein Thema und vertiefen sich darin. Das Interesse der Kinder wird durch die täglichen Inputs der Lehrpersonen und das Arbeiten der anderen Kinder angeregt.

 

Zeitwahl

Das Kind hat die freie Wahl der Zeit. Das bedeutet, es bestimmt wie lange und wie oft es sich mit einem Material auseinandersetzen will. Um sich zu verbessern, ist die Wiederholung wichtig.

 

Verantwortung

Die freie Wahl hat auch ihre Grenzen. So kann es vorkommen, dass ein gewünschtes Material schon besetzt ist, weil ein anderes Kind oder eine andere Kindergruppe bereits damit arbeitet.
Die Wahl einer Arbeit muss Sinn machen und dem Können des Kindes oder der Kindergruppe entsprechen. Deshalb wird jedes Material im Kinderhaus dem Kind in einer Einzelpräsentation gezeigt. Die Darbietungen in der Schule werden immer einer kleinen Kindergruppe präsentiert. Danach können die Kinder frei wählen, ob sie an diesem Material weiter arbeiten wollen. Oft interessiert sie ein Material zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Kinderhaus – Polarisation der Aufmerksamkeit

Die Polarisation der Aufmerksamkeit, die die Fähigkeit der tiefen Konzentration während einer Beschäftigung mit einem selbstgewählten Gegenstand bedeutet, stellt nach dem Verständnis von Dr. Maria Montessori die wichtigste Eigenschaft in der Entwicklung des jungen Menschen dar. Die kindliche Konzentration gilt als Voraussetzung für den Lernprozess. Polarisation der Aufmerksamkeit verläuft zunächst unbewusst und hat seinen Ursprung im Innern des Menschen. Damit sich die Aufmerksamkeit polarisieren kann, muss die innere Aktivität des Kindes eine äussere Anregung finden, die diese innere Regsamkeit fördert.

Diese Polarisation verändert das Kind, es kommt zu seiner Mitte, was sich positiv auf die gesamte Entwicklung auswirkt. Es gibt ihm innere Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, und das Kind wird friedlich, aufgeschlossen und ruhig.

„Das ist offenbar der Schlüssel der ganzen Pädagogik: diese kostbaren Augenblicke der Konzentration zu erkennen, um sie beim Unterricht in Lesen, Schreiben, Rechnen, später in Grammatik, Mathematik und Fremdsprachen auszunützen. Alle Psychologen sind sich übrigens darin einig, dass es nur eine Art des Lehrens gibt: tiefstes Interesse und damit lebhafte und andauernde Aufmerksamkeit bei dem Schüler zu erwecken.“ (Maria Montessori)

 

Schule – Kosmische Erziehung

Die kosmische Erziehung bildet ein wichtiges Fundament der erzieherischen Arbeit und ist das Bildungsmodell der Montessori-Pädagogik.
Dr. Maria Montessori beschreibt mit der Kosmischen Erziehung das Wirken der Menschen im Makrokosmos und wie alles miteinander in einem Zusammenhang steht.
In der Montessori Schule lernen die Kinder zu verstehen, dass das alleinige Wissen über Tatsachen nicht ausreicht um zu handeln, sondern dass es stets auf die Gesamtheit ankommt. Wenn dies das Kind begreift, übernimmt es Verantwortung für sein Tun. Aus diesem Grund ist in der kosmischen Erziehung vorgesehen, dass die Kinder zur Selbstständigkeit erzogen werden, um das Übernehmen von Verantwortungen zu lernen. Dafür brauchen die Kinder einen geschützten Rahmen, den wir mit Hilfe der vorbereiteten Umgebung anbieten können.

 

Besonderheiten an der Montessori Schule Seetal

Lager

Unser Schullager findet alljährlich nach Pfingsten statt und dauert vier Tage. Mit dabei sind SchülerInnen von der 1. bis zur 6. Primarklasse sowie Begleitpersonen. Das Schullager wird von unseren Schülern organisiert. Dadurch wird die Selbstständigkeit der Kinder gefördert und gleichzeitig lernen sie Verantwortung zu tragen, beziehungsweise mit ihr umzugehen.

 

Wald

Jeden Freitagnachmittag gehen die SchülerInnen mit einer Lehrperson für spielerische, künstlerische und sportliche Aktivitäten in den nahegelegenen Wald.

 

Gesamtschule

Die 1. bis 6. Klässler sind gemeinsam im Schulraum. Dadurch können sich die jüngeren Schüler nach den älteren orientieren und umgekehrt können die älteren Schüler den jüngeren helfen.
Die Unterrichtsvermittlung findet in individuellen zusammengesetzten Gruppen statt und richtet sich nach dem Können der Schüler und Schülerinnen aus.

 

Sozialkompetenz

Durch das offene Lernen in kleineren und grösseren Gruppen wird an unserer Schule die soziale Kompetenz regelmässig in Alltagssituationen geübt. Dabei werden Fertigkeiten wie Kooperation, Hilfsbereitschaft und soziale Interaktion täglich weiter entwickelt und neu auf die Probe gestellt.

 

„Going out“

Die 6 – 12 jährigen Kinder zeigen andere physische und psychologische Eigenschaften auf als die Kinder im Kinderhaus. Sie werden nicht nur älter sondern auch grösser. Sie wollen auf ihren eigenen Füssen stehen und die weite Welt erforschen. Plötzlich wird das Quartier, der Wald oder das Dorf ihr Spielplatz.
Dieses Verhalten der Kinder beobachten wir auch in der Schule. Deshalb bringt Dr. Maria Montessori einen neuen Aspekt in die Erziehung ein. Sie fordert, dass die Kinder die Möglichkeit bekommen, die vorbereitete Umgebung des Klassenzimmers zu verlassen und hinauszugehen in die Welt. Wir bieten den Kindern eine zweite vorbereitete Umgebung an, die Welt ausserhalb des Klassenzimmers. Wir nennen dieses Hinausgehen „Going out“.

Die Arbeit im Kinderhaus war das Fundament für das „Going out“. Diese Schulkinder sind bereit für die nächste Herausforderung. Sie wollen hinausgehen, um die gelernten Fertigkeiten in der Welt der Erwachsenen anwenden.

Es ist die Fortsetzung von „Hilf mir es selbst zu tun“.

Das „Going out“ hat verschiedene Niveaus. Es kann ein kurzer Besuch der Bibliothek in der Gemeinde, ein Einkauf im Tiergeschäft im gleichen Dorf oder ein ganztägiger oder mehrtägiger Ausflug sein.
Während des „Going out“ sind sie in der Regel auf sich alleine gestellt. Sie werden aber von einem Erwachsenen beobachtet. Bei einem längeren „Going out“ bekommen sie eine Begleitung.

Welches sind die Ziele des „Going out“?
  • Mit dem „Going out“ kommen die Kinder mit der Gesellschaft in Kontakt. Sie lernen die Regeln und Strukturen kennen und üben sich in der Gesellschaft selbständig zu bewegen.
  • Mit dem Praktizieren des „Going out“ fühlen sich die Kinder immer mehr als ein Mitglied der Gesellschaft.
  • Das Schulkind lernt das Zusammenleben mit anderen Menschen, Menschen verschiedenen Alters, Menschen mit verschiedenen Tätigkeiten und Menschen mit verschiedenen Meinungen.
  • Die Kinder sehen wie die Menschen arbeiten. Sie kommen in Kontakt mit verschiedenen Tätigkeiten, die von Erwachsenen ausgeführt werden. Jede Tätigkeit trägt zum Leben in der Gesellschaft bei.
  • Mit dem „Going out“ üben die Kinder in der zweiten Entwicklungsstufe (6 – 12 Jahre) mit der Freiheit in einem grösseren Rahmen umzugehen und müssen für ihr Handeln die Verantwortung übernehmen. Der grössere Rahmen ist die Gesellschaft und deren Strukturen. Die Kinder erforschen diese Gesellschaft und werden schrittweise Teil davon.
  • Mit dem Praktizieren des „Going out“ entwickeln die Kinder eine hohe Eigenverantwortung und eine grosse Selbstständigkeit. Sie lernen ihre Erfahrungen in einer grösseren Gemeinschaft anzuwenden und finden mehr über sich selber heraus. Die neuen Erfahrungen aus der Welt der Erwachsenen bilden die Basis für die Arbeit in der dritten Entwicklungsstufe (12 – 18 Jahre). Sie unterstützen den Prozess, den Platz und die eigene Aufgabe in der Gesellschaft zu finden.
  • Mit dem „Going out“ unterstützen wir weiterhin den Prozess des Selbstaufbaues des Menschen. Dabei legen wir den Fokus neben der psychologischen Entwicklung auch auf die körperliche und intellektuelle Entwicklung und berücksichtigen dabei die typischen Eigenschaften der Kinder in der zweiten Entwicklungsstufe. Die Kinder bewältigen längere Distanzen und sind motiviert ein interessantes Thema zu erforschen.